5. Ritual auf dem Mauna Kea

Hierbei handelt es sich um ein gelöschtes Kapitel aus dem Buch IMUA Reise ins Urvertrauen, das am 17.11.25 veröffentlicht wurde. Falls du das Buch noch nicht gelesen hast, kannst du es hier bestellen, es wird dir helfen, den Kontext zu verstehen:

5. Mauna Kea  (Big Island vor der Reise)

Ein weiterer Höhepunkt des Hawaii-Seminars ist die Zeremonie, die zum Sonnenuntergang auf dem 4200 Meter hohen Gipfel des Mauna Kea abhalten. Der Mann, den ich angeheuert habe, um uns mit seinem Allrad-Pick-up auf den Gipfel zu fahren, ist nicht erschienen und geht auch nicht ans Telefon. Na toll. Unser Van schafft es nur bis zur Mittelstation, und es ist schon spät. Bald wird das Tor geschlossen und danach lassen sie niemanden mehr hinauf. Improvisieren ist angesagt. „Unser Fahrer ist abgesprungen“, wende ich mich entschuldigend an meine Gäste. „Möchtet ihr hier bleiben und den Sonnenuntergang auf halber Höhe genießen oder seid ihr abenteuerlustig genug, um per Anhalter auf den Gipfel zu fahren?“ „Ich würde am liebsten den ganzen Weg wandern, die Landschaft hier ist einmalig“, sagt Roxy. „Aber Trampen … ich weiß nicht. Meinst du, das klappt?“ „Ganz bestimmt. Ich mache das oft, denn mein Explorer hat auch keinen Allradantrieb. Ich kann zwar nicht garantieren, dass wir alle im gleichen Auto mitfahren können, aber das sollte kein Problem sein, oder?“

Während wir unsere Möglichkeiten abwägen, strecke ich schon mal den Daumen heraus, nur für alle Fälle. Und ehe wir uns versehen, bietet uns ein freundliches Pärchen an, einen Teil unserer Gruppe mitzunehmen.  „Ich treffe euch oben“, sage ich zu meinen Begleitern, die bereits auf die Ladefläche des Pick-ups klettern. „Packt euch warm ein“, rufe ich ihnen nach, „es wird eiskalt da oben“, während der Toyota um die nächste Kurve verschwindet. Meine Gäste halten es immer für einen Scherz, wenn ich sie bitte, eine Winterjacke, Handschuhe, eine Mütze und Thermounterwäsche mit nach Hawaii zu nehmen.

Es dauert nicht lange, bis auch Roxy, Sunny und ich eine Mitfahrgelegenheit finden. Die Staubwolke, die unser Fahrzeug auf der Schotterpiste aufwirbelt, vermag die spektakuläre Aussicht auf die sich ständig verändernde, karge Landschaft nicht zu trüben. Die Sonne nähert sich dem Horizont und taucht die beiden Vulkanriesen Mauna Kea und Mauna Loa in ein gleißend warmes, goldoranges Licht. Die schwarzen Lavagiganten vermitteln das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu sein. Je höher wir fahren, desto kribbeliger werden wir. Die Mischung aus hoch schwingender Energie, klirrender Kälte, dünner Luft und eisigem Wind weckt eine Lebendigkeit, die wohl nur Profibergsteiger kennen. Von Minute zu Minute sinkt die Temperatur. Oben angekommen zeigt Sunnys Uhr nur noch 28 °F an.

Wir finden den Rest unserer Truppe von japanischen Touristen in leuchtend orangefarbenen Skianzügen umgeben. Der Anblick ist so absurd, dass wir uns fragen, ob wir durch ein Dimensionstor geschlüpft und auf dem Mars gelandet sind. Ich führe meine Gruppe weg von den Menschenmassen zu einem schönen Aussichtspunkt unter einem der großen Teleskope. Das Gekicher der Touristengruppen verstummt und eine andächtige Stille erfüllt die Atmosphäre. Bevor wir mit der Zeremonie beginnen, versorge ich meine Gäste mit Hintergrundinformationen.

Der Mauna Kea heißt „weißer Berg“, weil er im Winter meist schneebedeckt ist. Für die Hawaiianer ist er der heiligste aller Berge, ein Schrein der Anbetung, in dem wohlwollende Geister zu Hause sind. Hier wohnt Poli’ahu, die Gottheit des Schnees, des Eises und der Kälte. Sie kann die Gestalt eines Vogels annehmen, um von Ort zu Ort zu fliegen. Ihr Geliebter ist Kukahau’ula, der Gott des roten Taus. La’amaomao, die Göttin der Winde, kann angerufen werden, um die Menschen auf ihren Reisen zu begleiten. Lilinoe, die Göttin des Nebels, wird oft hier oben gesehen. Ihr Wohnsitz ist zwar der Haleakalā auf Maui, aber sie kommt oft zu Besuch.  Wai’au ist die Hüterin des nach ihr benannten Sees, an dem man auf dem Weg hierher vorbeikommt.

Im Winter kommen viele Einheimische hierher, um in Flip-Flops und T-Shirt mit Bodyboards Snowboard zu fahren. Sie rutschen die großen Hänge des Mauna Kea hinunter und lassen sich dann per Anhalter wieder hinauffahren. Das ist sehr umweltfreundlich, denn es werden keine Skilifte benötigt. In der Weihnachtszeit fahren die Leute gerne eine ganze Ladung Schnee an den Strand, um im Sand einen Schneemann zu bauen. Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, an denen man von einem heißen Sandstrand mit tropischem Klima auf einen so hohen, schneebedeckten Berg fahren kann. Das wirklich Faszinierende am Mauna Kea ist, dass mehr als die Hälfte des Berges unter dem Meeresspiegel liegt. Misst man ihn vom Meeresboden bis zu seiner Spitze, ist er fast eine Meile höher als der Mount Everest.

Wir singen für Mutter Erde und Vater Himmel. An diesem Ort kristallklarer Energie treffen sie sich und hier werden die Sterne geboren. Mein Gesang für die Gottheiten, begleitet von den hoch schwingenden Tönen meiner Kristallklangschale, wird vom eisigen Wind durch die Nacht getragen. Wir werden von reiner Klarheit durchdrungen, während wir uns mit der Energie dieses heiligen Ortes verbinden. Reihum bittet jeder Gast um Klarheit in einem Aspekt seines Lebens, während die anderen diesen Moment mit ihrer Präsenz bezeugen.

Ich spüre die Ley-Linien, das energetische Netz, das alle heiligen, hochschwingenden Orte auf diesem Planeten miteinander verbindet. Über dieses Netz sind wir mit allen Menschen und Wesen verbunden, die sich der Bewusstseinsarbeit widmen und kosmische Codes mit planetarischem Wirken verweben. Ich spüre, wie sich etwas verschiebt, wie ein Energiestrom durch meine Adern fließt, der mir Zugang zur Weisheit unserer Vorfahren verschafft und zur Essenz der Meisterwesen. Wenn wir vom „Ich“- zum „Wir“-Bewusstsein wechseln, erhalten wir einen tiefen Einblick in die Mysterien des Lebens. Ich kann spüren, wie sich unsere Zellen regenerieren.

Die Fahrt zurück nach unten wird mir in Erinnerung bleiben. Amira, Merlin, Mendes und ich kuscheln uns auf die Ladefläche eines Pick-ups, teilen uns einen offenen Schlafsack als Decke und versuchen, uns gegenseitig warmzuhalten. Mendes verliert seine Kamera, als er den majestätischen Sternenhimmel fotografieren will. Als wir zu unserem Van zurückkehren, sind unsere Wimpern gefroren. Steif und unbeholfen klettern wir in unseren Van und fahren dankbar zurück in unser warmes und gemütliches Dschungelhaus.

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Ausserdem hast du die Möglichkeit, Makana auf ihre magischen Reisen zu begleiten. Alle Infos findest du unter Reisen und Retreats auf www.sharonmakana.com

Aloha Sharon Makana

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