Hierbei handelt es sich um ein gelöschtes Kapitel aus dem Buch IMUA Reise ins Urvertrauen, das am 17.11.25 veröffentlicht wurde. Falls du das Buch noch nicht gelesen hast, kannst du es hier bestellen, es wird dir helfen, den Kontext zu verstehen:
- Das Dschungelcamp (Big Island vor der Reise)
Derzeit arbeite ich zwei Tage pro Woche als „Farm Girl“, um im Gegenzug kostenlos in einem kürzlich selbst renovierten Dschungelcamp wohnen zu dürfen. Mein Zuhause besteht aus einer handgezimmerten Holzplattform mit einer Plane als Dach. Wände habe ich keine, fließendes Wasser oder Strom auch nicht. Am äußeren Ende der hölzernen Plattform steht ein altes, schäbiges Sofa mit Blick auf den Dschungel der Kealakekua-Bucht. Bevor ich abends in meinen Schlafsack krieche, überprüfe ich, ob sich keine giftigen Spinnen oder Hundertfüßer darin befinden.
Das Geniale an Hawaii ist, dass es außer den eben genannten keine gefährlichen Tiere gibt. Mit den Wildschweinen, die nachts neben meinem Lager Macadamianüsse knacken, habe ich mich inzwischen angefreundet. Um zu meinem Dschungelcamp zu gelangen, spaziere ich unter dem zauberhaften Sternenhimmel durch hohes Gras, vorbei an Avocado-, Mango- und Brotfruchtbäumen. Zumindest, wenn ich mit dem Mähen im Rückstand bin, wie jetzt. Simpel ist gut. Friedlich. Mein Nachfolger Dave hat mir einige seiner selbst entworfenen, aufblasbaren Solarlämpchen geschenkt, die in verschiedenen Farben leuchten. Das warme Glühen des violetten Lichts ist im Moment meine Lieblingsstimmung. Bevor ich morgens mein Paradies verlasse, lege ich die Lämpchen zum Aufladen in die Sonne.
Auf dem Regal, das ich in den leuchtenden Farben Gelb, Hellgrün, Rosa, Violett und Orange bemalt habe, finden all meine Habseligkeiten mühelos Platz: eine Handvoll Bücher, Kerzen, Moskitospiralen (obwohl diese nutzlos sind), ein paar Kleidungsstücke (da es hier immer warm ist, reichen Spaghetti-Tops, Shorts und Sommerkleidchen) sowie zwei Gallonen Wasserbehälter. Meine Arbeits- und Tauchausrüstung bleibt im Auto, sodass ich für spontane Abenteuer immer gerüstet bin.
Das Wasser in der Solardusche, die am Orangenbaum neben meinem Camp hängt, wird tagsüber aufgeheizt, sodass ich abends eine warme Dusche nehmen kann. Die immergrüne Kletterpflanze der Passionsfrucht hat mit ihren Ranken alle umliegenden Pflanzen überwuchert und schirmt meine Behausung vor den Blicken vorbeigehender Nachbarn ab.
Stolz blicke ich auf mein Werk in diesem üppigen Stück Dschungel. Zuvor hatte ich als Retreat-Managerin im Haupthaus ein eigenes Zimmer und Bad. Doch aufgrund eines längeren Besuchs in der Schweiz hat Dave meine Stelle und mein Zuhause übernommen.
Das Dschungelcamp, das mir in meiner neuen Funktion als Gärtnerin zugeteilt wurde, sah übel aus: verrottet, schmutzig, voller Ungeziefer, mit rostigen Nägeln, einer zerrissenen Plane und einer vergammelten Matratze. Ich kann nicht verstehen, wie Menschen so leben können. Mein Freund Paul hat mir dabei geholfen, aus diesem Drecksloch eine gemütliche Unterkunft zu machen. Nach stundenlanger Müllbeseitigung haben wir ein neues Gerüst gebaut und eine wasserdichte Plane darauf befestigt. Es ist kaum zu glauben, wie viel Gerümpel meine Vorgänger hinterlassen haben. Schubkarre um Schubkarre haben wir das schwere, nasse Zeug über die holprigen Lavasteine zur Straße geschoben. Bei diesen Temperaturen war das eine schweißtreibende Arbeit, aber jede Schweißperle hat sich ausgezahlt. Es lohnt sich. Immer wieder.
Kennst du das befriedigende Gefühl, wenn du dich mit ganzer Kraft für etwas einsetzt? Wie sehr du schätzt, was du mit deinen Händen geschaffen hast? Wie stolz du nach großen Anstrengungen und überwundenen Hürden auf dein vollendetes Werk blickst? Die Genugtuung, aus Schlamm und Dreck Schönheit geschaffen zu haben und sich in jeder Facette des Ergebnisses wiederzuerkennen?
Ich führe ein sehr einfaches Leben und verzichte auf Komfort, um die Freiheit zu haben, mit dem Flow zu gehen und mich jedem Moment hinzugeben, so wie er sich mir zeigt. Anstatt in 18-Stunden-Schichten für drei verschiedene Arbeitgeber zu arbeiten, um die extrem hohe Miete auf Hawaii bezahlen zu können, habe ich meine Fixkosten auf nur 50-Dollar fürs Handyabo runtergeschraubt. Hinzu kommt nur noch das Geld, das ich für Benzin und Essen brauche. Versicherungen habe ich keine.
Seit ich auf der Farm lebe, beschenkt mich die Natur täglich mit reifen Bananen, Mandarinen, Granatäpfeln, Passionsfrüchten, Avocados, Mangos und Macadamianüssen. Da mir außerdem regelmäßig einer meiner Bootskameraden ein Stück Thunfisch oder Mahi-Mahi vom Fischen mitbringt, kaufe ich nur noch selten Lebensmittel ein. Für die meisten Menschen, die ich kenne, wäre mein Lebensstil unvorstellbar. Nicht selten werde ich gefragt, ob ich keine Angst hätte, so ganz allein im Dschungel.
Ich gebe zu, dass ich die ersten drei Nächte nach meiner Rückkehr aus der Schweiz bei Peter übernachtet habe, da mir die nächtliche Gesellschaft von Wildschweinen unheimlich war. Er lebt schon seit vielen Jahren im Freien, weil er es als beengend empfindet, von Mauern umgeben zu sein. Peter ist wie ein Bruder für mich. Mein Farm Boy. Da ich ihn von Anfang an so genannt habe, nennt er mich seit meiner „Degradierung” scherzhaft „Farm Girl”.
Wenn du mehr erfahren möchtest, gibt es, wie bereits erwähnt, ein ganzes Buch davon. In jeder beliebigen Buchhandlung in der Schweiz, in Deutschland und Österreich bestellbar. Einfach nach dem Titel oder der Autorin fragen, oder bequem mit dem Link oben nach Hause liefern lassen.
Ausserdem hast du die Möglichkeit, Makana auf ihre magischen Reisen zu begleiten. Alle Infos findest du unter Reisen und Retreats auf www.sharonmakana.com
Aloha Sharon Makana

